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„Gerade passieren so viele erste Male. Ich darf das gerade alles zum ersten Mal erleben. Das ist so wundervoll.“ Céline Goldschalts Augen funkeln und sie strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie ihre große Freude darüber beschreibt, dass ihr Traumberuf jetzt wirklich Realität wird. Die 39-jährige aus Asendorf bei Buchholz hat sich am 1. September 2021 als freiberufliche Doula selbständig gemacht.

Das Wort Doula stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Dienerin der Frau“. Als nicht-medizinische Geburtsbegleiterin unterstützt eine Doula werdende Eltern darin, eine möglichst selbst bestimmte Geburt erleben zu können und ist dabei vor allem für die emotionale und mentale Begleitung der Mutter zuständig. Die Doula ist dabei kein Ersatz für eine Hebamme, sondern eine Ergänzung mit eigenen Schwerpunkten in ihrer Dienstleistung für Mütter und ihre Partner.

„Gerade beim ersten Kind wissen viele Paare überhaupt nicht, was während der Geburt auf sie zukommt und welche Möglichkeiten und Alternativen es gibt, über die man entscheiden kann“, beschreibt Céline Goldschalt. Eine Aufgabe der Doula ist es dann, gemeinsam mit dem Paar den Weg auszuwählen, der am besten zu dessen Wünschen und Vorstellungen passt und es in diesem gewählten Weg dann bestmöglich zu unterstützen. Ein Vorteil ist dabei vor allem die kontinuierliche Geburtsbegleitung. Während die Hebammen gerade in Krankenhäusern häufig mehrere Geburten gleichzeitig betreuen müssen und sich daher nicht voll auf eine Frau konzentrieren können, kann die Doula bei der Gebärenden bleiben, sie bestärken und ihr Ruhe und Vertrauen schenken.

Vom Eventmanagement zur Geburtsbegleitung

Wie wichtig diese Bestärkung ist, weiß Céline Goldschalt nicht nur durch die Geburt ihrer eigenen Tochter, sondern auch durch den Austausch mit vielen anderen Müttern. Nach ihrer Ausbildung zur Werbekauffrau in einer Veranstaltungsagentur hat sie zunächst einige Jahre lang Veranstaltungen organisiert. „Aber das war überhaupt nichts für mich“, erinnert sich die Gründerin. „Für viele Menschen in diesem Bereich ist Arbeit der einzige Lebensinhalt. Vereinbarkeit mit der Familie spielt da überhaupt keine Rolle, Partner oder Kinder werden eher als Belastung angesehen.“

Nach der Geburt ihrer eigenen Tochter hat sich Céline Goldschalt daher entschieden, in einer Hebammenpraxis als Eltern- und Familienberaterin und Kursleiterin für Babykurse zu arbeiten. Durch die Arbeit mit den werdenden oder frischgebackenen Eltern wurde der Wunsch immer stärker, noch näher am Thema Geburt dran zu sein. Vor allem die Erfahrungsberichte der Mütter weckten in Céline Goldschalt das Bedürfnis, Frauen rund um die Geburt zu bestärken und zu unterstützen. „Meine Babykurse beginne ich immer mit der Frage nach den Geburtserfahrungen der Frauen. Was man dort hört, kann ganz schön bedrückend werden. Viele Frauen berichten, dass niemand für sie da war und sie mehr Begleitung gebraucht hätten. Häufig gibt es bei den Müttern sogar Gefühle von Trauer, Schuld oder Betrogenwordensein“, berichtet die Doula. „Eine Freundin hat dann in einem Telefonat im Januar über Doulas gesprochen und da hat es bei mir Klick gemacht. Und dann ist alles losgepurzelt. Eigentlich war ich ja vorher schon Doula, ich hatte nur noch kein Wort dafür,“ erinnert sich die Gründerin.

Als die Hebammenpraxis ihr dann Coronabedingt kündigen musste, war das der letzte Stups, der noch fehlte, um den Start in die Selbstständigkeit als freiberufliche Doula wirklich zu wagen. Theoretisch ist jede Frau, die schon einmal geboren hat, eine Doula und kann andere Frauen bei der Geburt begleiten. Es gibt aber Vereine in Deutschland, die sich zum Ziel gesetzt haben, das Berufsbild der Doula zu professionalisieren und Qualitätsstandards einzuführen und daher zertifizierte Ausbildungen für Doulas anbieten. Für so eine Ausbildung hat sich auch Céline Goldschalt entschieden: „Mir war es wichtig, die Arbeit nicht nur nach bestem Wissen und Gewissen zu machen, sondern fundiertes Wissen darüber zu bekommen, wie ich die Frauen am besten begleiten kann. Ich habe mich daher für eine Ausbildung bei `Doulas in Deutschland´ entschieden.“

Gründungsberatung bei der Beratungsgesellschaft M. Willkomm

Neben der Ausbildung trieb Céline Goldschalt die Vorbereitungen der Existenzgründung voran. Unterstützung bei der Erstellung des Businessplans und der Finanzpläne holte sie sich bei Mareike Lippmann, Gründungsberaterin bei der Beratungsgesellschaft M. Willkomm mbH in Buchholz. „Die Gründungsberatung war großartig, weil ich einfach all meine Gedanken und Ideen da reinsprudeln konnte und Mareike mir das sortiert hat. Schritt für Schritt ging es immer weiter in die Richtung, in die ich gehen wollte“, schwärmt die Gründerin: „Mareike hat meine Ideen übersetzt in ein professionelles Setting. Es war völlig okay, meine Schwachstellen zu haben. Durch die enge Begleitung und das häppchenweise Vorgehen habe ich mich niemals überfordert gefühlt. Und so wurde der anfangs so groß erscheinende Gründungsprozess ganz einfach schaffbar gemacht.“

Seit dem 1. September 2021 ist sie nun vollberuflich selbständig als freiberufliche Doula und wird in den ersten Monaten von der Arbeitsagentur mit einem Gründungszuschuss gefördert, der gemeinsam mit ihrer Gründungsberaterin beantragt wurde. Zukünftig ist es das Ziel der Gründerin, im Monat zwei Frauen zu begleiten. Die Kundengewinnung soll dabei vor allem über Weiterempfehlungen und das große Netzwerk an befreundeten Hebammen, Stillberaterinnen etc. laufen, das Céline Goldschalt sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. „Da habe ich zum Beispiel die Möglichkeit, mich in Geburtsvorbereitungskursen vorzustellen. Social Media brauche ich persönlich nicht. Ich bevorzuge den direkteren, persönlichen Kontakt. Und es fängt auch schon an zu knistern. Es gibt schon erste Anfragen und es passieren viele tolle Sachen“, freut sich Céline Goldschalt. „Ein totaler Traum war vor allem, dass ich schon während meiner Ausbildungszeit die Möglichkeit hatte, eine Geburt zu begleiten. Es war unglaublich aufregend und überwältigend, dabei sein zu dürfen, wenn die Geburt losgeht. Wirklich magisch, auch wenn das abgedroschen klingt“, schwärmt die frisch gebackene Doula von ihrem neuen Beruf.

Neben der eigentlichen Geburtsbegleitung umfasst die Arbeit der Doula aber auch die Begleitung während der Schwangerschaft und im Wochenbett. Während vor der Geburt unter anderem die Aufbereitung vergangener Geburten, die Formulierung von Wünschen und Plänen für die Geburt und die Vermittlung von Wissen auf dem Programm stehen, geht es während der Geburt vor allem darum, wirklich und zu 100% für die Gebärende da zu sein. Im Angebot hat Céline Goldschalt dann „alles was die Frau braucht. Ob das singen ist, oder Füße massieren oder dasitzen und sich anbrüllen lassen. Eben alles was Entspannung bringt.“ Im Wochenbett geht es dann wiederum vor allem darum, sich Zeit zu nehmen für die Aufbereitung der Erlebnisse.

Wunsch nach Zusammenarbeit

In Deutschland ist die Geburtsbegleitung durch eine Doula eine Privatleistung und wird von den Krankenkassen nicht übernommen. Auch wenn sich in den letzten Jahren mehr und mehr Frauen bei ihren Geburten durch Doulas unterstützen lassen, ist das hierzulande immer noch die Ausnahme. Andere Länder wie Amerika oder die Niederlande sind da viel weiter, dort sind Doulas schon viel verbreiteter.

In Céline Goldschalts Wirkungskreis, dem Landkreis Harburg, gibt es aktuell drei weitere Doulas. Céline Goldschalt sieht diese aber weniger als Konkurrentinnen, sondern viel mehr als mögliche Kooperationspartnerinnen: „Mein Wunsch wäre, dass sich eine Gemeinschaft bildet, ohne Konkurrenzgehabe und Stutenbissigkeit. Dass einfach alle an einem Strang ziehen mit dem gemeinsamen Ziel, dass möglichst viele Frauen schöne Geburtserfahrungen haben.“

Aktuell macht die Corona-Pandemie die Situation für Doulas etwas herausfordernder, da in der Regel immer noch nur eine Begleitperson mit in den Kreißsaal darf und das meistens der werdende Vater ist. Céline Goldschalt ist dennoch davon überzeugt, dass zukünftig ausreichend Bedarf für noch viel mehr Doulas vorhanden ist und man sich gegenseitig nichts wegnimmt, sondern sich unterstützen kann, zum Beispiel durch gemeinsame Rufbereitschaften.

Die Anbahnung solcher Kooperationen ist ein Punkt auf der To-Do-Liste der Gründerin für die nächsten Wochen. Außerdem soll die Webseite online gehen und Visitenkarten und Flyer bei Hebammen, Frauenärzten, Krankenhäusern usw. verteilt werden. Die Gründerin brennt darauf, richtig durchzustarten und freut sich auf alles, was jetzt kommt. „Großartig wäre es doch, wenn irgendwann jede Frau eine Hebamme und eine Doula zur Verfügung hätte, um optimal unterstützt und betreut zu sein“, beschreibt sie ihre Vision von der Zukunft.

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