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Wie Braumeister Jan Koch sich mit der eigenen Craft Beer-Brauerei einen lang gehegten Traum erfüllt

„Ich habe das Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können“, freut sich Jan Koch. Der Salzhausener hat schon immer eine große Leidenschaft: Bier brauen. Mit 16 Jahren hat er in der heimischen Küche sein erstes Bier gebraut. Nach der Ausbildung zum Braumeister und Diplom-Bier-Sommelier war er jahrelang als leitender Brauer bei großen Brauereien im In- und Ausland angestellt, zuletzt bei ASTRA St. Pauli.

Mit der Gründung der Craft Beer Brauerei „De Lütte“ in Salzhausen hat er sich vor drei Jahren einen Traum erfüllt. Was als nebenberufliches Hobby klein begann und in den letzten Jahren immer erfolgreicher wurde, soll nun richtig groß werden: Mit der Umstellung auf eine Selbständigkeit im Vollerwerb erhofft sich Jan Koch noch einmal einen ordentlichen Wachstumsschub für sein Unternehmen.

Großes Interesse von Banken und privaten Investorent

Expansionsideen für die Brauerei gibt es zur Genüge: Ein neues Gebäude am neuen Standort soll neben größeren Produktionsmengen auch einen Direktvertrieb sowie Ausschank mit Gastronomiebetrieb ermöglichen. Viele lokale Investoren wollen das junge Unternehmen fördern und sind mit Kooperationsideen oder Investitionsangeboten an den Jungunternehmer herangetreten. Von vielen Seiten wurde zudem der Wunsch an Jan Koch herangetragen, die Brauerei mit Biergarten direkt im Ortskern von Salzhausen zu eröffnen. „Eine Brauerei ist aber in erster Linie ein produzierender Betrieb, da gibt es Anlieferung, Geruch, Lärmbelästigung etc. Da sind wir im Industriegebiet deutlich besser aufgehoben“, ist Jan Koch sicher. Ein möglicher neuer Standort ist bereits gefunden und wird aktuell geprüft. Dieser liegt im Gewerbegebiet, aber dennoch nur 500 Meter vom Ortskern entfernt und ist somit auch als Ausflugsziel für Radfahrer oder Spaziergänger attraktiv – optimal für die Brauerei.

Eine große Glasfront zur Straße hin soll zudem die rund 20.000 Autofahrer, die täglich an dem Grundstück vorbeifahren, neugierig auf den Brauereibetrieb machen. Nicht nur aufgrund des attraktiven Standorts freut sich Jan Koch schon jetzt auf das neue „Zuhause“ seiner Brauerei: „Das wird ein funktionales Gebäude, eher mit Fabrikhallencharakter, aber trotzdem sehr gemütlich. Es wird extra für die Brauerei geplant und gebaut und ich habe viel Mitspracherecht, daher wird es voll funktional und sehr gut nutzbar für den Brauereibetrieb sein.“

Die Planungen für den neuen Standort sind schon weit fortgeschritten, aktuell werden Verträge mit Banken und Investoren aufgesetzt. Bis das neue Gebäude bezugsfertig ist, vergehen aber noch rund zwei Jahre. Bis dahin braut Jan Koch sein Bier weiterhin in der kleinen Halle am Salzhausener Rathausplatz, die er vor drei Jahren angemietet hat. Schon jetzt ist es dort mit Brauanlage, Etikettierer, Handabfüllanlage, Neuglas, vollen Flaschen etc. allerdings so voll, dass immer umgeräumt werden muss, wenn Gruppen zu Braukursen oder Verkostungen vorbeikommen. Und es wird bald noch enger, denn um die Produktion weiter hochfahren zu können, hat Herr Koch kürzlich in eine größere Abfüllanlage und einen zusätzlichen Tank investiert.

Große Nachfrage übersteigt Produktionskapazitäten

Wie nötig diese Investitionen sind, zeigen die aktuellen Lieferengpässe: Die Nachfrage nach De Lütte-Bier ist in den letzten Monaten so stark gewachsen, dass Jan Koch mit seinen aktuellen Produktionskapazitäten nicht mehr alle Kunden beliefern kann. Mit seinen zwei Tanks kann der Braumeister aktuell maximal 1.500 Liter Bier im Monat brauen. Das reicht nicht aus, um die große Nachfrage zu decken.

Aktuell wird das De Lütte-Bier in einigen lokalen Gastronomiebetrieben ausgeschenkt und ist in ausgewählten regionalen Supermärkten gelistet. Das lokal produzierte Handwerksprodukt wird dort auch rege nachgefragt: So hat bspw. eine Sonderplatzierung in einem neuen Craft Beer-Regal im lokalen EDEKA-Markt den Absatz gleich um 15% in die Höhe schnellen lassen. Dazu kommen immer wieder Sonderaktionen, zum Beispiel lokale Unternehmen, die das De Lütte-Bier an ihre Mitarbeiter verschenken oder eine Verkostung mit Jan Koch als Mitarbeiter-Event organisieren möchten.

Bereits seit einigen Monaten besteht zudem eine Kooperation mit einem örtlichen Möbelhaus: Als Incentive bekommen alle Kunden, die für mehr als 1.000 Euro Möbel kaufen, eine Flasche De Lütte-Bier. Für die Kooperation wurde extra ein gemeinsames Branding entwickelt: Auf dem Etikett ist neben dem De Lütte-Logo auch das Logo des Möbelhauses zu sehen.

„Corona war insofern gar nicht schlimm für die Brauerei, da eh immer zu wenig Bier vorhanden ist. Was im Lockdown nicht über die Gastronomie wegging, habe ich zu der Zeit halt im EDEKA verkauft. Jetzt, wo die Kneipen wieder öffnen, ist wieder viel zu wenig Bier da. Hin und wieder wird mir sogar unterstellt, das sei Preistreiberei oder ein Marketing-Gag. Aber meine Kapazitäten sind nun einmal begrenzt“, beteuert der Gründer.

Momentan erlauben es die Produktionsanlagen nur zwei bis dreimal monatlich Bier zu brauen. Die Alternative, Bier zuzukaufen oder fremd brauen zu lassen, kommt für Jan Koch dennoch nicht in Frage: „Das ist überhaupt nicht mein Stil. Dann wäre meine Arbeit ja nur noch Marketing und Vertrieb. Ich verstehe das aber als Handwerk, bei mir ist das alles echte Handarbeit“, betont der Braumeister.

Neben dem eigentlichen Brauprozess kümmert sich der Unternehmer unter anderem auch um Abfüllung, Reinigung, Auslieferung, Vertrieb und Backoffice. Die Brauerei ist momentan noch eine echte „One-Man-show“ und Jan Koch stößt auch hier langsam aber sicher an seine Grenzen: „Die vollautomatische Abfüllanlage, die ich bestellt habe, schafft wieder mehr Zeit für andere Aufgaben. Spätestens, wenn ich ausreichend Tankkapazität habe, um täglich brauen zu können, brauche ich dann auch Vertriebsunterstützung“, betont der Gründer.

Verkostungen und Braukurse für Kleingruppen

Wenn später auch der Ausschank im eigenen Gastronomiebetrieb läuft, wird dann natürlich auch Unterstützung für den Service eingestellt. Denn für eins will sich Jan Koch auch in Zukunft immer die Zeit nehmen: „Ich möchte immer mit meinen Gästen über Bier sprechen. Das kann ich stundenlang, das ist dann natürlich gefährlich, wenn man auch die Verantwortung für den Service hat und die anderen Gäste auf ihr Bier warten“, lacht der Bierliebhaber.

Über Bier sprechen kann der Brauer aktuell vor allem bei den Verkostungen und Braukursen, die er regelmäßig für kleine Gruppen in seiner Brauerei organisiert. Bei Brezn und Obazda gibt es dann eine gemeinsame Verkostung der verschiedenen De Lütte-Sorten und eine kleine Einführung in den Brauprozess. Auch über Themen wie „Bier und Gesundheit“ oder „Bier und Geschichte“ spricht der Bier-Experte dann gern mit seinen Gästen.

Viel Marketing ist für diese Aktionen gar nicht notwendig, das meiste läuft über Weiterempfehlungen, zum Beispiel durch die Möbelhaus-Kunden. „Einiges läuft auch über Facebook und Instagram. Und über das regionale Jungunternehmernetzwerk „Die Heidemacher“. Da gibt es ganz viel gegenseitige Unterstützung, das funktioniert super“, freut sich der Unternehmer.

Überhaupt ist der Brauer aktuell sehr zufrieden mit den Entwicklungen seines Unternehmens: „Den Traum von der eigenen Brauerei habe ich schon seit vielen Jahren. Die Gründungsberatung durch Frau Witt hat nun sehr dabei geholfen, jetzt auch wirklich mal loszulegen und Dinge anzugehen und zu fixieren. Dadurch wird man dann auch gleich ganz anders wahrgenommen“, freut sich der Gründer. „Seit ich mit Frau Witt am Businessplan arbeite, läuft alles super zusammen. Der Businessplan zwingt einen selber in eine gewisse Gradlinigkeit und Fokussierung.“

Zielführende Gründungsberatung

Von seiner Beraterin ist Jan Koch ebenfalls begeistert: „Es ist toll, eine unbeteiligte Expertin drauf schauen zu lassen und fachliches Feedback zu seinem Businessplan zu bekommen, gerade wenn man ihn Banken und Investoren vorlegen will. Frau Witt hat mit ihrer Erfahrung viele gute und kreative Ideen eingebracht. Das ist natürlich nicht zu vergleichen mit irgendwelchen Onlinevorlagen.“ Motiviert durch den professionellen Businessplan und die sehr positive Resonanz durch Banken und Investoren hat Jan Koch schon viele weitere Ideen für die Zukunft seiner Brauerei: Neben dem neuen Standort umtreiben ihn zum Beispiel die Themen Nachhaltigkeit und Regionalität. So strebt er mittelfristig zum Beispiel eine Biozertifizierung für sein Bier an: „Die Nachfrage nach Bio-Bier wird immer größer. Mir ist dabei allerdings am wichtigsten, dass Bier zunächst richtig gut schmecken muss. Umso besser, wenn es dann auch noch Bio ist. Aber nur durch Bio schmeckt das Bier erstmal nicht besser“, erklärt der Braumeister seine Prioritäten. Und auch für regionale Kooperationen ist der Gründer sehr offen: „In Luhdorf baut zum Beispiel ein Bauer lokale Braugerste an und hat gerade eine Mälzerei gegründet. Eine Kooperation wäre doch eine tolle Sache. Das ganze Thema Regionalität und Unternehmertum auf dem Land finde ich generell sehr spannend und kann mir für die Zukunft noch ganz viel vorstellen.“ Jetzt muss Jan Koch aber erstmal die Ärmel hochkrempeln und sich um sein Bier kümmern. Viele durstige Salzhausener warten schon auf ihr nächstes „De Lütte“.
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