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Frau Wang und die interkulturelle Kompetenz

17. Dezember 2020

Beratungsagentur für deutsch-chinesische Kooperation in Sottrum gegründet

„Du bist deutscher als die meisten Deutschen, Deutschland wäre perfekt für dich.“ Diesen Satz hat Bingyi Wang immer wieder von ihren deutschen Schülern gehört, als sie noch als Chinesisch-Lehrerin in ihrem Heimatland gearbeitet hat.

„Stimmt!“ sagt Frau Wang heute lachend. Als sie diese Anekdote erzählt, sitzt die 38-jährige Chinesin in ihrem Eigenheim in Sottrum. Im Jahr 2009 kam sie für ihr Master-Studium nach Deutschland. Und blieb. Heute ist sie mit einem Deutschen verheiratet und fühlt sich in Norddeutschland zuhause. Und sie kennt sich bestens aus mit der deutschen Mentalität: „Ich verstehe, wie die Deutschen ticken und wie man mit ihnen kommunizieren muss, um sein Ziel zu erreichen“, betont Frau Wang. Mindestens genauso gut versteht sie, die in einer kleinen Stadt in der Provinz Shandong an der Küste des Gelben Meeres geboren und aufgewachsen ist, natürlich auch ihre chinesischen Landsleute.

Innovativ, natürlich, harmonisch

Von diesem Verständnis sollen zukünftig auch Bingyi Wangs Kunden profitieren. Die 38-Jährige gründet im Januar 2021 in Sottrum ihre Beratungsagentur I-N-H. Der Name steht dabei für Innovativ, Natürlich, Harmonisch. Denn so soll die internationale Zusammenarbeit zwischen deutschen und chinesischen Unternehmen im Idealfall laufen. Doch die Realität sieht häufig anders aus, wie Frau Wang aus eigener Erfahrung weiß. Nach zwei Bachelor-Abschlüssen der Uni Peking und einem Master in International Business Administration der Uni Hamburg war Bingyi Wang viele Jahre für deutsche und chinesische Arbeitgeber im Einsatz. Neben Tätigkeiten als Marketing-Analystin und Produktmanagerin war sie unter anderem drei Jahre von einem deutschen Handelskontor als Chef-Einkäuferin für Textilien nach Shanghai entsendet.

Während dieser Jahre ist ihr immer wieder aufgefallen, wie kompliziert es für deutsche Unternehmen häufig ist, Geschäfte mit chinesischen Lieferanten zu machen. Oft ist ein Handelskontor zwischengeschaltet und die Kommunikationswege sind sehr lang. „Das würde alles sehr viel schneller und unkomplizierter gehen, wenn Kunde und Lieferant direkt miteinander kommunizieren würden“, war Frau Wang schnell klar. Doch dafür fehlt es auf beiden Seiten häufig nicht nur an Sprachkenntnissen, sondern auch am Verständnis der kulturellen und kommunikativen Feinheiten und Unterschiede. „Die Deutschen sind in ihrer Kommunikation zum Beispiel in der Regel sehr höflich“, so Bingyi Wang. „Für einen Chinesen ist es oft schwer einzuschätzen, ob das deutsche Gegenüber etwas nur aus Höflichkeit sagt, oder ob es wirklich so gemeint ist.“ Bei diesen und vielen anderen Fallstricken möchte Bingyi Wang ihre Kunden zukünftig unterstützen.

Mit ihrem großen Netzwerk in China und Deutschland und ihrem breiten Erfahrungsschatz möchte sie zwischen deutschen und chinesischen Partnern nicht nur übersetzen und vermitteln, sondern unter anderem auch chinesische Lieferanten für deutsche Auftraggeber suchen, Exkursionen für deutsche Delegationen nach China und chinesische Delegationen nach Deutschland organisieren und begleiten, in Seminaren die kommunikativen Soft skills für die reibungslose Verständigung mit Partnern aus dem anderen Land vermitteln und vieles mehr. Ihr Fokus liegt dabei zunächst vor allem auf der Textilbranche.

Qualität und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt

Größten Wert legt Frau Wang bei der Auswahl ihrer chinesischen Kooperationspartner vor allem auf die Qualität. Sie kennt die chinesische Textil-Branche sehr gut und pflegt Geschäftsbeziehungen zu vielen Produzenten. Unter anderem ist sie seit vielen Jahren Mitglied im chinesischen Verband der Stoffhersteller. „Ich fokussiere mich auf die Lieferanten mit der besten Qualität. Ich weiß, welche Produzenten nur auf schnelles Geld aus sind und welche sich langfristig entwickeln und eine Reputation als Qualitäts-Lieferant aufbauen wollen“, betont die Gründerin.

Mindestens ebenso wichtig wie die Premium-Qualität sind für Frau Wang auch die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz: „Für viele deutsche Bekleidungs-Unternehmen wird das Umweltschutz-Thema immer wichtiger und sie möchten hier mehr tun. Diese Entwicklung müssen auch die chinesischen Produzenten verinnerlichen.“ Und auch ihr persönlich liegt das Thema sehr am Herzen. „Mich beunruhigt es sehr, wie stark zum Beispiel die Meeres-Lebewesen unter den Emissionen der Textilindustrie leiden“, betont die Unternehmerin. Mit der Gründung ihres Unternehmens möchte Frau Wang zumindest einen kleinen Beitrag leisten, um dieses globale Problem anzugehen.

Bei der Überführung ihrer Geschäftsidee in ein tragfähiges Unternehmenskonzept wurde Frau Wang durch die Beratungsgesellschaft M. Willkomm mbH in Rotenburg unterstützt. Ihr Gründungsberater Thomas Klar hat Frau Wang durch den gesamten Gründungsprozess begleitet, bei der Erstellung ihres Business Plans beraten und bei allen Fragen rund um die Existenzgründung mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Er ist von seiner Klientin begeistert und vom Erfolg ihrer Geschäftsidee überzeugt: „Ich bin sicher, dass die breite Ausbildung und Berufserfahrung verbunden mit der sprachlichen und interkulturellen Kompetenz von Frau Wang großes Potenzial bedeuten. Die guten und direkten Kontakte zu Herstellern in China werden zu ihrem Erfolg beitragen.“

Und auch Frau Wang ist überaus zufrieden mit der kompetenten Beratung: „Herr Klar hat mir nicht nur das benötigte Know-how vermittelt, sondern mich auch sehr stark ermutigt. Wenn mir mal das Selbstbewusstsein gefehlt hat, hat er mich immer wieder aufs Neue in meiner Idee bestärkt.“

Aktuell schaut Frau Wang trotz der Corona-bedingt schwierigen Ausgangslage optimistisch in die Zukunft. Perspektivisch möchte sie mit ihrem Unternehmen wachsen und auch Arbeitsplätze in der Region schaffen. Schon heute ist China mit einem Handelsvolumen von gut 200 Milliarden Euro (im Jahr 2019) der wichtigste Warenhandelspartner Deutschlands. Und in einer immer stärker globalisierten Welt gewinnen die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China noch weiter an Bedeutung. Ein gutes Verständnis, eine reibungslose Kommunikation und ein vertrauensvolles Miteinander sind dabei die Basis einer jeden guten Geschäftsbeziehung. Frau Wang ist bereit, ihren Teil beizutragen.

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